Von Mick Knauff 29. April 2019

Dass man als Aktionär auf einer Hauptversammlung seinem Unmut durchaus freien Lauf lassen kann, wenn der Aktienkurs binnen eines Jahres um 40 % nachgibt, ist durchaus verständlich. Auch dem Vorstandschef ob dessen die Entlastung zu verweigern, ist eine nachvollziehbare Reaktion und vergangene Woche so bei der Hauptversammlung von BAYER passiert.

Ich persönlich möchte auch gerade nicht in der Position von Bayer-Chef Werner Baumann sein: Aktionäre und Großinvestoren machen Druck, die Glyphosat- Klagewelle in den USA wird immer größer (aktuell 13.400 anhängige Klagen) und der Börsenwert von Bayer liegt gerade noch bei 57 Mrd. Euro – wobei die Übernahme von Monsanto um ein wesentliches teurer war (umgerechnet rund 63 Mrd. Euro).

Monsanto-Debakel macht Bayer mehr und mehr selbst zum Übernahmekandidaten

Dass jetzt natürlich Vertrauen zurückgewonnen werden muss, ist dabei sicher nicht nur „Chefsache“, sondern betrifft Vorstand und Aufsichtsrat gleichermaßen. Dabei muss Bayer jetzt auch noch Angst haben, SELBST übernommen oder gar zerschlagen zu werden.

Diese Gedanken hatten die Leverkusener wohl bei der Übernahme von Monsanto nicht. Da zählte nur – WER übernimmt WEN und wie kann das Geschäft mit Saatgut für die Zukunft gestärkt werden?! Durchaus nachvollziehbare Gedanken, in einer Welt, deren Bevölkerung stetig wächst und immer älter wird und natürlich Lebensmittel, Früchte, Getreide und Essbares vom Boden der Natur braucht.

NUR meine Damen und Herren, dieser Boden muss auch „bespielt“ werden, beackert und bebaut – soll er letztlich dauerhaft rege Erträge bringen. Dass dazu auch Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt werden müssen, ist uns allen bewusst, wenn auch die Begeisterung darüber, sich sicher in Grenzen hält. Aber so viel „Bio“ gibt es nun mal nicht, um die ganze Weltbevölkerung satt zu bekommen.

Trotzdem stimme ich natürlich auch zu, dass es nicht sein kann, mit Mitteln zu arbeiten, die angeblich Krebs bei Menschen hervorrufen und somit den eigentlichen Plan, einer ordentlichen Bodenpflege zu Nichte machen.

Zuletzt notierte die Aktie des Industriedienstleisters bei einem Kurs von 11,20 € (Stand: 26.04.19, 17:35), ein Verlust von 1,93 % im Vergleich zu gestern. Das aktuelle 7-Tagehoch liegt bei 11,50 € und stammt… 

Fraglich bleibt nur, ob das tatsächlich der Fall ist oder in Amerika mal wieder versucht wird, auf dem Rücken Deutscher Unternehmen Schadenersatz zu bekommen, denn auch das wäre sicher nicht das erste Mal, wenn wir an die Banken und Automobilhersteller wie VW denken.

Aufklärung muss her und das so schnell wie möglich!

Aber sei es drum, Aufklärung muss her und das so schnell wie möglich, denn nur dann kann das Vertrauen der Aktionäre, Großinvestoren und Umweltschützer zurückgewonnen werden. Ein Schrei nach „Vergeltung“, „der Vorstandsvorsitzende müsse jetzt ausgewechselt werden“ (so die GRÜNEN am Wochenende), macht dabei für mich keinen Sinn. Denn was sollte das ändern? Die Übernahme wird sicher nicht rückabgewickelt und die Klagewelle in den USA genauso wenig gestoppt wie der Hunger in der Welt.

Somit bleibt mein Fazit für langfristige Anleger, dass Bayer bei aller Kritik, durchaus ein lohnendes Investment sein kann, wenn sich das Thema rund um Glyphosat beruhigt hat, denn zwangsläufig kommen wir ALLE nicht umhin, darüber nachzudenken, wo denn die Erträge auf den Feldern dieser Welt herkommen sollen, um all die Menschen zu ernähren, darüber sollten dann auch mal die GRÜNEN nachdenken, bevor sie sich zu Kommentaren hinreißen lassen, die wenig erfolgsversprechend sind.

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