Lesen Sie jetzt, wie die jüngsten Quartalszahlen von Berkshire Hathaway ausgefallen sind und wie die Hauptversammlung abgelaufen ist.

Wie die meisten von Ihnen wissen, befinde ich mich derzeit auf meiner jährlichen USA-Tour. Am vergangenen Samstag habe ich die wohl berühmteste Hauptversammlung der Welt besucht. Die Hauptversammlung von Warren Buffetts Investment-Holding Berkshire Hathaway in Omaha (Nebraska).

Die diesjährige Hauptversammlung begann damit, dass Buffett und sein kongenialer Partner Charlie Munger starke Zahlen für das zurückliegende 1. Quartal des laufenden Geschäftsjahres vorgelegt haben. Der Nettoüberschuss von Berkshire Hathaway stieg auf 21,7 Mrd. US-Dollar. Im Vorquartal hatte noch ein Minus von 25,4 Mrd. US-Dollar in den Büchern gestanden.

Buffett selbst relativiert die guten Zahlen jedoch. Denn neue Bilanzierungsvorschriften sorgen seit einiger Zeit dafür, dass der Marktwert unrealisierter Investmentgewinne laufend ausgewiesen werden muss.

Dadurch schwanken die Ergebnisse stark und es finden auch gewisse Verzerrungen statt. So wundert es nicht, dass Buffett und Munger nicht besonders glücklich mit diesen neuen Vorschriften sind.

Laut Buffett sollen die Aktionäre diese Schwankungen weitgehend ignorieren und stärker auf das aussagekräftigere Betriebsergebnis (den operativen Gewinn) achten. Das Betriebsergebnis von Berkshire stieg um 5% auf 5,6 Mrd. US-Dollar.

Aktienrückkäufe: Nur wenn der Preis passt!

Erwähnenswert im Zusammenhang mit dem 1. Quartal des laufenden Jahres ist noch, dass Berkshire eigene Aktien für insgesamt 1,7 Mrd. US-Dollar zurückgekauft hat. Ein Aktionär fragte Buffett, warum Berkshire nicht mehr eigene Aktien zurückgekauft habe, da in der Kasse über 100 Mrd. US-Dollar liegen.

Die Antwort von Buffett: Aktienrückkäufe sind ein tolles Instrument, aber nur, wenn der Aktienkurs unter dem konservativ berechneten Substanzwert liegt. Liegt der Aktienkurs höher, würde er auch dann keine Aktien zurückkaufen, wenn 200 Mrd. US-Dollar in der Kasse liegen würden. Mit dieser disziplinierten Anlage-Politik unterscheidet sich Berkshire von vielen anderen Unternehmen, die unabhängig vom aktuellen Aktienkurs eigene Aktien zurückkaufen.

Buffett überrascht mit Einstieg bei Amazon

Für eine Überraschung hatte Buffett bereits im Vorfeld der Hauptversammlung gesorgt als er erklärte, dass Berkshire bei dem Online-Handelsriesen Amazon eingestiegen sei.

Egal ob man eine Blase der Technologie Aktien sehen mag oder nicht, die Überbewertungen sind ungesund – und Korrekturen wahrscheinlich. 

Damit schlägt Buffett nun nach Apple bereits bei dem zweiten großen Technologiekonzern aus den USA zu. Er scheint sich immer mehr für Technologieunternehmen zu begeistern, nachdem Buffett lange Zeit diese Branche gemieden hatte. Seine Begründung für die Käufe: Profitable Geschäftsmodelle und die Kunst, starke Marken in noch höhere Gewinne zu verwandeln.

Zur Größe des Amazon-Aktienpakets, das Berkshire erworben hat, wurde zunächst nichts bekannt. Klar ist jedoch, dass es eine Art zusätzliches Gütesiegel für Amazon ist, dass Berkshire nun bei dem Unternehmen eingestiegen ist.

Buffett hat ein Auge auf Europa geworfen

Zum Ende des 1. Quartals des laufenden Jahres saß Berkshire auf Barreserven von gut 114 Mrd. US-Dollar. Kein Wunder, dass viele Beobachter schon seit längerer Zeit mit einem großen Milliardendeal rechnen.

Wenn Sie meine Börsendienste verfolgen, wissen Sie, dass ich die Bewertungen in Europa derzeit unter dem Strich attraktiver finde als in den USA. In Europa gibt es aktuell viele Unternehmen, die nicht einmal mit dem zehnfachen Jahresgewinn bewertet werden.

Zwar kauft Buffett grundsätzlich lieber in seinem Heimatmarkt, doch er hat in der Vergangenheit schon in Europa zugeschlagen und wird es vielleicht demnächst wieder tun. Wir hoffen auf einen Deal in Großbritannien oder in Europa, egal wie der Brexit ausgeht, sagte Buffett im Rahmen der Hauptversammlung.

Zudem betonte Buffett, dass er sich wünschen würde, dass Berkshire Hathaway in Großbritannien und Europa besser bekannt wird und dort öfter an Berkshire gedacht werden würde, wenn Unternehmen zum Verkauf stehen.

Ausblick: Morgen lernen Sie im Schlussgong die 5 größten Positionen aus Buerkshires Portfolio zum Ende des vergangenen Jahres kennen.

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