Hohe Steuer-Abgaben vermeiden

Wie Sie an der Börse zu hohe Steuer-Abgaben vermeiden und was Sie über Freistellungsaufträge wissen sollten

Aus Ihren Leserfragen weiß ich: Das Thema Steuern im Zusammenhang mit Börsengeschäften ist für Sie sehr wichtig. Daher gehe ich an dieser Stelle immer wieder auf das Steuer-Thema ein und versuche Ihnen dabei zu helfen, unnötige Steuerabgaben zu vermeiden.

Jeder erfolgreiche Tipp ist für Sie bares Geld wert! In diesem Beitrag beschäftigen wir uns zunächst mit der Quellensteuer und im Anschluss daran erfahren Sie, was Sie über Freistellungsaufträge wissen sollten.

Rolf Morrien
Rolf MorrienChefanalyst Depot Brief, Power Depot

Ein Beitrag von Rolf Morrien

So vermeiden Sie zu hohe Quellensteuer-Abgaben

Es ist wichtig, dass Sie Ihr Depot breit gestreut aufstellen. Dazu gehören auch ausländische Aktien. Doch viele Anleger kaufen ausländische Aktien nur aufgrund der hohen Dividendenrenditen und berücksichtigen dabei nicht, dass Quellensteuer fällig wird.

Obendrein langt noch der deutsche Fiskus mit 25% Abgeltungsteuer zu, so dass unter dem Strich die Dividendenrendite schmilzt. Es gibt aber Möglichkeiten, dass Sie nicht zu viel „vom Kuchen“ abgeben müssen.

Fast alle Staaten erheben bei Dividendenzahlungen von nationalen Unternehmen eine Steuer, die sogenannte Quellensteuer. Erst dann fließt der Betrag in die ausländischen Depots. Hier in Deutschland muss die depotführende Bank erneut eine Steuer in Höhe von 25% erheben und an den Fiskus abführen.

Doppelbesteuerungsabkommen sollen die steuerliche Doppelbelastung vermeiden

Um diese zweifache Belastung zu mildern, hat Deutschland mit mehr als 80 Staaten ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abgeschlossen. Hierin steht auch geschrieben, mit wie viel Prozent die Auslandsabgabe auf die Abgeltungsteuer angerechnet werden kann.

In den meisten Fällen sind es 15%. Doch einige Staaten behalten mehr Quellensteuer ein, als in Deutschland angerechnet wird. Die Schweiz greift mit 35% zu, Österreich mit 25%. Als Anleger können Sie in diesen Fällen einen Antrag stellen und den nicht angerechneten Steueranteil direkt vom Quellensteuerstaat zurückfordern.

Als unkompliziert und vorbildlich gilt das Verfahren mit der Schweiz und mit Österreich. Schwieriger wird es in Italien: Die Rückerstattung kann unter Umständen viele Monate dauern.

Das Bundeszentralamt für Steuern stellt online eine umfangreiche Liste bereit (www.bzst.de Stichwort „Steuern International“ und „Ausländische Quellensteuer“). Ebenfalls auf dieser Internetseite finden Sie Erstattungsanträge und die Adressen der ausländischen Finanzbehörden.

Beachten Sie aber, dass es Fristen gibt, die eingehalten werden müssen. Wer sich nicht selbst darum kümmern möchte, kann auch die Hilfe der Depotbank in Anspruch nehmen. Für eine Gebühr von etwa 30 bis 40 Euro je Dividendentitel helfen die Banken bei der Rückerstattung von ausländischen Quellensteuern. Aber auch Ihr Steuerberater kann Ihnen behilflich sein.

Zwar kostet es Geld, einen Steuerberater damit zu beauftragen, aber unter dem Strich kann es sich lohnen. Auch die Gebühren, die Banken für ihre Dienste im Zusammenhang mit der Rückerstattung der Quellensteuer kassieren, lohnen sich ab einer gewissen Dividendensumme. Beachten Sie: Sie können die Vorlagen der Steuerberater und Banken in den Folgejahren als Mustervorlage nutzen.

Rechenbeispiel für die Erstattung der ausländischen Quellensteuer

Ein Beispiel, wie Sie die Rückerstattung der Quellensteuer berechnen: Sie erzielen in der Schweiz Dividenden in
Höhe von 2.500 Euro. Davon behält die Schweiz zunächst 35%, also 875 Euro ein. Den Rückerstattungsantrag (zu finden unter www.bzst.de Stichwort „Ausländische Quellensteuer“) schicken Sie an die Schweizer Steuerverwaltung.

Der Schweizer Quellensteuerabzug nach DBA beträgt (15% von 2.500 Euro) 375 Euro. Die Erstattung nach
Antrag in der Schweiz beträgt 500 Euro (20% von 2.500 Euro). Der deutsche Fiskus rechnet wie folgt: 625 Euro (25% von 2.500 Euro) abzüglich Anrechnung der Schweizer Steuer in Höhe von 375 Euro (15% von 2.500 Euro). Es wurden 250 Euro Abgeltungsteuer realisiert, das entspricht 10% von 2.500 Euro. Die Gesamtsteuerbelastung: 625 Euro (15% Schweiz plus 10% Deutschland = 25%).

Was Sie dringend über Freistellungsaufträge wissen sollten

Seit Beginn des Jahres 2009 werden Kapitalerträge in Deutschland pauschal mit 25% besteuert. Darunter fallen
Kursgewinne, Zinsen und Dividenden. Seit Einführung der Abgeltungssteuer ist es dabei auch völlig egal, wie Sie die Positionen gehalten haben, die Ihnen die Kursgewinne, Dividenden oder Zinsen beschert haben. Denn die bis 2009 gesetzlich verankerte Spekulationsfrist von einem Jahr wurde mit Einführung der Abgeltungssteuer gestrichen.

Zu der pauschalen Besteuerung in Höhe von 25% kommen noch der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer. Dadurch werden Ihnen als Anleger knapp 30% Ihrer Kapitaleinkünfte genommen. Diese Steuer wird direkt von Ihrer Bank ans Finanzamt abgeführt.

Das bieten Ihnen Freistellungsaufträge

Aber einen Ausweg gibt es dennoch: Sie können selbst dafür sorgen, dass bis zu 801 Euro (bei Singles und getrennt veranlagten Ehepartnern) beziehungsweise 1.602 Euro (bei zusammen veranlagten Ehepaaren) steuerfrei bleiben. Bei den genannten Beträgen handelt es sich um die sogenannten Sparerpauschbeträge, die Ihnen gesetzlich zustehen.

Durch die Nutzung eines Freistellungsauftrags (oder mehrerer) sorgen Sie dafür, dass Ihre Bank die Abgeltungssteuer erst dann automatisch an das Finanzamt abführt, wenn der Freibetrag überschritten wurde. Ihr Vorteil: Sie müssen sich das Geld nicht später über Ihre Einkommensteuererklärung zurückholen und haben dadurch unterjährig eine höhere Liquidität.

So funktionieren Freistellungsaufträge

Der Freistellungsauftrag ist ein Formular, welches Sie bei Ihrer Bank bekommen. Bei Online-Banken finden Sie das Formular auf der jeweiligen Internetseite. Der Freistellungsauftrag muss neben Ihrer Adresse und der jeweiligen Bankverbindung den Betrag enthalten, der von der Abgeltungssteuer unberührt bleiben soll. Dieser Betrag nennt sich „freizustellender Betrag“.

Wie Sie bereits gelesen haben, liegt dieser für Singles und getrennt veranlagte Ehepartner bei 801 Euro und bei zusammen veranlagten Ehepaaren bei 1.602 Euro. Liegt der Bank ein gültiger Freistellungsauftrag vor, weiß Ihre Bank, dass sie für den „freizustellenden Betrag“ keine Abgeltungssteuer an den Staat abführen darf.

Sie können den Ihnen zustehenden Freibetrag übrigens entweder bei einer Bank „aufbrauchen“ oder auch bei mehreren. Pro Bank ist nur ein Freistellungsauftrag einzureichen, der dann für alle Konten der entsprechenden Bank gilt.

Wenn Sie Ihren Freibetrag auf mehrere Banken aufteilen wollen, bei denen Sie Kapitaleinkünfte erzielen, müssen Sie auch mehrere Freistellungsaufträge ausfüllen.

Mehrere Freistellungsaufträge: So funktioniert es

Als Ehepaar können Sie einen gemeinsamen Freistellungsauftrag stellen, wenn Sie zusammen veranlagt werden. Dies ist vor allem dann lohnend, wenn beide Ehepartner hinsichtlich der Höhe sehr unterschiedliche Einkünfte erzielen.

Wenn Sie und Ihr Ehepartner bzw. Ihre Ehepartnerin einen gemeinsamen Freistellungsauftrag stellen, liegt der Pauschbetrag bei 1.602 Euro. Im Falle einer Einzelveranlagung liegt der Betrag entsprechend bei 801 Euro und somit bei der Hälfte von 1.602 Euro.

Ein gemeinsamer Freistellungsauftrag ist von beiden Ehepartnern zu unterzeichnen und muss auch für Einzelkonten gestellt werden – also nicht nur für Konten, die lediglich auf den Namen eines Ehepartners laufen. Die Unterschrift beider Ehepartner im Falle eines gemeinsamen Freistellungsauftrages ist wichtig, da der Antrag
ansonsten ungültig ist.

Wenn Sie und Ihr Ehepartner bzw. Ihre Ehepartnerin getrennt veranlagt werden, kann jeder Partner Beträge bis 801 Euro freistellen lassen. Allerdings ist ein Freistellungsauftrag für gemeinsame Konten dann nicht möglich.

Mein Tipp: Passen Sie Ihre Freistellungsaufträge regelmäßig an

Wenn Sie im Formular nicht explizit einen Endtermin eintragen, ist ein Freistellungsauftrag theoretisch unbegrenzt gültig. Allerdings empfiehlt es sich nicht, die Freistellungsaufträge jahrelang unverändert zu lassen, denn in der Regel werden sich Ihre Kapitaleinkünfte über die Jahre verändern.

Daher sollten Sie einmal pro Jahr Ihre Freistellungsaufträge überprüfen und im Bedarfsfall anpassen. Zu überprüfen ist Folgendes: Ist der Sparerpauschbetrag über die einzelnen Kreditinstitute noch so günstig aufgeteilt, dass er voll ausgeschöpft wird?

Erstattung zu viel gezahlter Steuern

Trotz eines oder mehrerer Freistellungsaufträge kann es passieren, dass Sie zu viele Steuern an den Staat zahlen.
Soweit die schlechte Nachricht. Es gibt jedoch auch eine gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Sie können sich die gegebenenfalls zu viel gezahlte Steuer über die Anlage KAP (Kapitaleinkünfte) im Rahmen Ihrer Steuererklärung zurückholen. Weitere Steuertipps finden Sie in den Monatsberichten von „Morriens-Depot-Brief“.

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