Under Armour überrascht mit Zahlen, die besser sind als erwartet. Wie geht es weiter mit der coolen Fitnessmarke?

Endlich werden bei Under Armour die Auswirkungen des anhaltenden Konzernumbaus sichtbar. Dies belegen die Finanzzahlen des vierten Quartals, die der Sportartikelanbieter aus Baltimore gestern bekannt gegeben hat. Demnach kletterten die Quartalserlöse um rund 1,5% und konnten mit knapp 1,4 Milliarden US-Dollar die Analystenerwartungen leicht übertreffen.

Rückkehr in die Gewinnzone

Das Nettoergebnis, das noch im Vorjahresquartal wegen geänderter Steuergesetze tiefrot ausgefallen war, lag mit 4,2 Millionen US-Dollar wieder diesseits der Null-Linie. Ohne Einbeziehung der Restrukturierungskosten wäre sogar ein Konzernüberschuss von 42 Millionen US-Dollar möglich gewesen. Positiv hat sich insbesondere die Entscheidung des Managements ausgewirkt, im Schlussquartal auf Rabattaktionen weitgehend zu verzichten.

Schwächen ausgerechnet auf dem größten Sportmarkt der Welt

Im Gesamtjahr lagen die Erlöse bei 5,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 4,1%. Gewachsen ist der Rivale von Adidas und Puma aber nur im Ausland. In der Hauptabsatzregion Nordamerika gingen die Erlöse dagegen im Jahresvergleich um 1,8% auf 3,7 Milliarden US-Dollar zurück. Hier bekommt Under Armour insbesondere die gestiegenen Marketingaktivitäten von Adidas zu spüren, das, weil ungleich größer, auch deutlich mehr in das lebenswichtige Marketing investieren kann.

Zugleich mehren sich die Anzeichen, dass Under Armour auch in Europa sein Image als coole Sportmarke einbüßen könnte. Gerade in Deutschland hat sich der jahrelange Aufwärtstrend im vergangenes Jahr nicht fortsetzen können. Auf der von Intersport veröffentlichten Liste der wichtigsten Marken fielt Under Armour gleich um drei Ränge auf Platz 17 zurück. Boden gut machen konnten dagegen neue, frische Marken aus Skandinavien wie Fjällräven und Salewa.

Auf dem Wühltisch zu finden

Dabei hat Under Armour gerade Deutschland als wichtige Kernregion ausgemacht. So wurde erst vor wenigen Jahren auf einem idyllischen Isargrundstück eine stilvolle Landes-Zentrale eröffnet. Und angekündigt, den deutschen Markt erobern zu wollen: Das Sponsoring des Fußball-Zweitligisten St. Pauli sollte nur der Einstieg sein.

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Doch vom Zauber des Anfangs ist wenig geblieben. Weitere renommierte Teams werden bis heute nicht gesponsort und inzwischen findet man die Produkte von Under Armour eher im Wühltisch als in den angesagten Clubs.

Skepsis und Optimismus

Wenigstens der Vorstand bleibt optimistisch. So wurden die Prognosen für das Jahr 2019, die Under Armour auf einer Investorenkonferenz im Dezember präsentiert hatte, vorerst bestätigt. Demnach rechnet das Management weiterhin mit einem Umsatzwachstum zwischen 3% und 4%. Der operative Gewinn wird in einer Bandbreite zwischen 210 und 230 Millionen US-Dollar verortet.

Die Finanzanalysten sind sich, was die Zukunft des US-amerikanischen Sportartikelherstellers angeht, dagegen uneins. Die einen blicken auf die US-Einkommenssteuerreform und auf rückläufige Energiepreise, die eine positive Entwicklung der US-Verbraucherausgaben begünstigen sollten. Die anderen rechnen mit einem lang andauernden Restrukturierungsprozess und sehen nur ein geringes Kurspotenzial.

Dies macht zumindest eines deutlich: Für eine echte Trendwende ist ein gutes Quartal zu wenig.

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2019-02-16T13:25:48+00:00Gevestor, Textbeiträge|