Von Kathrin Dörfeld 6. Dezember 2017

Es war eines der Top-Themen in den Medien in der vergangenen Woche: Die Baubranche in Europa floriert wie seit Ende der 1990er Jahre nicht mehr.

So berichtete das Handelsblatt von einem immer stärker wachsenden deutschen Häusermarkt, der den Bauunternehmen 2017 das stärkste Neugeschäft seit 18 Jahren beschert. Im September stieg der Auftragseingang laut dem Statistischen Bundesamt um 2,9% auf 6 Mrd. Euro – der höchste Wert seit 1999.

In den ersten neun Monaten 2017 stieg das Auftragsvolumen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,4%. Die Gründe dafür sind schnell gefunden: Ursachen sind das robuste Wirtschaftswachstum und die sich daraus ergebenden Folgen für Haushaltseinkommen, Unternehmensgewinne und öffentliche Finanzlage.

Hinzu kommen Zu- und Binnenwanderung sowie der seit der Finanzkrise aufgelaufene Investitionsrückstand, etwa bei der Infrastruktur. Und schlussendlich befeuern natürlich die niedrigen Zinsen die Flucht in Sachwerte, so also auch in Immobilien.

Höchster Umsatz seit 20 Jahren erwartet

Das Bauhauptgewerbe (Häuser, Gebäude, Straßen und Leitungen) erwarte für 2017 den höchsten Umsatz seit 20 Jahren, berichtete ebenfalls das Handelsblatt. Bereits 2016 ist der Umsatz das sechste Jahr in Folge gestiegen.

Der Umsatz kletterte in den ersten neun Monaten 2017 um 9,3% gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 54 Mrd. Euro, erklärte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.

Die Unternehmen der Branche können sich weiterhin vor Aufträgen kaum retten. Im zweiten Quartal 2017 erhöhten die Unternehmen der Branche ihren Umsatz durchschnittlich um 1,7% und bauten die Zahl der Beschäftigten erneut um knapp 1% aus.

Stärkste Impulse kommen vom Wohnungsbau

Der aktuellen Statistik zufolge dürften die Bauleistungen in 2018 im Euroconstruct-Gebiet um weitere 2,5% und in 2019 um etwa 2,0% zunehmen. Die Besonderheit: Die Baunachfrage nimmt erstmals überhaupt in allen 19 Mitgliedsländern von Euroconstruct gleichzeitig zu.

Die stärksten Impulse kommen dabei aktuell vom Wohnungsbau. Und es geht offensichtlich weiter so: Die Forschungsgruppe um ifo-Experte Ludwig Dorffmeister rechnet bis 2020 mit einem weiteren Anstieg von insgesamt 6% beim Bauvolumen in Europa.

Allerdings weist Dorffmeister auch darauf hin, dass der Wohnungsbau sowie der übrige Hochbau künftig spürbar an Schwung einbüßen könnten, während der Tiefbau mittelfristig die Rolle des Markttreibers übernehmen dürfte: Allein für den Tiefbau werden für 2018 und 2019 Zuwächse um jeweils mehr als 4% prognostiziert.

Auch das gab es noch nie“, stellt Dorffmeister fest. Des Weiteren dürfte im Jahr 2020 der Bestandssektor erstmals seit 2014 wieder stärker zunehmen als der Neubau.

Damit steht fest – die Baubranche wird auch in den nächsten Jahren weiterhin spürbar wachsen.

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2017-12-06T16:37:15+00:00 Kategorien: Aktien-Daily, Beiträge, kathrin-doehrfeld|