Nachhaltiges Investieren ist längst mehr als ein Nischenthema. Lernen Sie jetzt die Grundlagen dieses Anlagetrends kennen.

Das neue Jahr hat begonnen und zu Beginn dieses Jahres möchte ich Ihnen hier im Schlussgong einen aus meiner Sicht wichtigen Anlagetrend vorstellen, der zwar nicht ganz neu ist, dafür aber zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Es handelt sich dabei um das Thema Nachhaltiges Investieren. Ich werde Ihnen heute und morgen die Grundlagen zu diesem Thema vorstellen und in Zukunft auch auf ausgewählte Investitionsmöglichkeiten innerhalb dieses Anlagetrends eingehen.

Die Grundlagen des nachhaltigen Investierens

Der Begriff Nachhaltigkeit (engl. sustainability) beschreibt das Prinzip, heutiges Handeln an der dauerhaften Bewahrung des Systems und seiner Existenzgrundlagen auszurichten.

Obwohl er noch nicht lange eine solch herausragende Bedeutung in der öffentlichen Debatte einnimmt wie heute, ist er keinesfalls als Modebegriff abzutun, denn der dahinter stehende Gedanke ist sehr alt.

In der Forstwirtschaft wird das Prinzip, dass nur so viele Bäume abgeholzt werden sollen wie auch nachwachsen, seit rund 300 Jahren als Ziel formuliert und wurde zuvor regional bereits seit dem späten Mittelalter praktiziert.

Und generell: Der Gedanke, das Bestehende zu erhalten, war in früheren Epochen deutlich präsenter als in den zurückliegenden rund 200 Jahren seit der Industrialisierung. Wo ökonomisches Handeln im Rahmen von Familienbetrieben stattfand, die über Generationen vererbt wurden, hatte dauerhafte Bestandssicherung Vorrang vor kurzfristiger Gewinnmaximierung.

Wenn wir uns heute an Nachhaltigkeit orientieren, ist das also keine Neuerung, sondern die Rückkehr zu selbstverständlichen Handlungsmaximen, die allerdings angesichts der exorbitanten Gewinnmöglichkeiten seit der Industrialisierung und dem Auseinanderfallen von Eigentum und Unternehmensleitung vielfach verdrängt wurden.

Was ist ein Nachhaltiges Investment?

Wie kann der Aspekt der Nachhaltigkeit bei der Investition berücksichtigt werden? Hier lassen sich mehrere Stufen unterscheiden, wobei auch innerhalb jeder dieser Varianten die Maßstäbe recht unterschiedlich angelegt werden können. So können Ausschlusskriterien (1.), wenn sie streng formuliert sind, wirkungsvoller sein als nur vage geäußerte Standards (2.):

  1. Stufe: Das Aussortieren von schwarzen Schafen, Unternehmen und Branchen, die durch besonders umweltschädliche oder unmenschliche Produkte, Produktionsweisen oder Geschäftspraktiken auffallen, durch Ausschlusskriterien.

Die können z. B. lauten: Produktion von Rüstungsgütern oder zumindest geächteten Waffentypen, Alkohol und Tabakwaren, Kernenergie, Glücksspiel, Pornographie, Eintreten für die Privatisierung von Wasser, Einsatz von Kinderarbeit.

  1. Stufe: Das Festlegen ethischer, sozialer und ökologisch nachhaltiger Mindeststandards. Diese Standards können absolut formuliert sein oder relativ zu Mitbewerbern, wie beim Best-in-class-Ansatz, der Unternehmen auswählt, die innerhalb ihrer Branche die besten Nachhaltigkeitswerte erzielen.

Wirksam werden diese Standards nur, wenn sie nicht als vage Absichtserklärung formuliert sind, sondern als hartes Ausschlusskriterium einer Investition fungieren. International etabliert ist der ESG-Ansatz (Environment, Social, Governance, übersetzt: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung), der Bestandteil der Investoreninitiative Prinzipien für verantwortliches Investieren der Vereinten Nationen (UN-PRI) ist.

Ziel ist es, diese Standards zum Maßstab künftiger Unternehmens- und Investmententscheidungen zu machen. In den Unternehmen sollen sie nicht wie ein Fremdkörper empfunden werden, der Punkt für Punkt abgearbeitet werden muss, sondern bereits in den Entscheidungsprozessen integriert sein.

Auf Investorenseite kann dies durch die Einbeziehung sozialer und ökologischer Risiken in Ratings erreicht werden, wozu man aber die großen Ratingagenturen noch überzeugen müsste.  Die moralischen Aspekte wie etwa der ESG-Ansatz ersetzen nicht die klassische Value-Bewertung eines Wertpapiers, sondern ergänzen diese.

Es geht nicht darum, in Papiere mit geringer Renditechance oder mangelnder Sicherheit zu investieren, um etwas Gutes zu tun. Sondern darum, innerhalb der Top-Papiere diejenigen auszuwählen, die auch aus ethischer Sicht zumindest vertretbar, wenn nicht sogar besonders wertvoll sind. Auf diese Weise schlagen Sie, wenn Sie so wollen, zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie tun etwas Gutes und verdienen dabei auch noch Geld!

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2019-01-20T14:56:23+00:00Beiträge, Morriens Schlussgong, Rolf Morrien|